ZEDELWERK
Das dramatische Bewusstsein
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6. Überblendung statt Vermittlung

Während bei Egon Erwin Kisch ,Tatsachen' durch das überblendende Sprechen bedeutungsförmig werden, ist es bei Joseph Goebbels gerade umgekehrt: Bedeutung wird durch das überblendende Sprechen tatsachen-förmig.
Nun liegt aber Bedeutung in Goebbels' Sprechen nur als ständiges Insistieren auf abstrakten Bewegungen vor, so daß in seinen Reden das Prinzip der Bewegung selbst zur ,Tatsache' erhoben wird. Es war gezeigt worden, wie Goebbels konkrete und abstrakte Bewegungen in Idealkongruenz setzt, um in der Einheit einer totalen Bewegung ein Höchstmaß an Manifestation zu erzeugen. Ganz ähnlich wie Goebbels' Verfahren der Analogiebildung funktioniert auch Kischs konstitutive Typik. Während bei Goebbels viele Bewegungen zu einer ,Tatsache' werden, verschmilzt Kisch viele ,Tatsachen' zu einer Typik. In beiden Fällen wird kurzerhand überblendet, was zu vermitteln wäre. Die Identität des Disparaten herzustellen, ist weder bei Kisch noch bei Goebbels Darstellungsintention ihres Sprechens, sondern bereits seine Voraussetzung. Die Scheinvermittlung von Disparatem, die Überblendung von ,Tatsache' und ,Bewegung' wird offenbar von diesen beiden Sprechern wie auch von ihren Hörern und Lesern schleichend vollzogen, ohne als erfolgte Vermittlung von etwas zu Vermittelndem kenntlich zu werden.
Es ist auf den ersten Blick erstaunlich, daß eine Übereinanderlagerung verschiedener Bewegungen nicht den Eindruck von Chaos, sondern vielmehr den von Homogenität erzeugen kann. Wenn „ganz Ostpreußen" im Schein der Feuer liegt, überall „Flammen lodern" und „Glocken läuten", „ganz Deutschland" im Takt der Soldaten Hindenburgs marschiert und „Alldeutschland" sich „wie ein Mann" erhebt, so sollte man meinen, daß chaotische Zustände herrschen.
In der Tat wird durch die außerordentliche Massierung von Bewegungen in Kongruenz eher eine Beruhigung, sogar eine Erstarrung erreicht. Sehr vereinfachend kann dies schon anhand der Massenaufzüge verdeutlicht werden, die sich dem Betrachter nicht als Summe vieler Bewegungen, sondern als Ornament präsentieren. Der Aufmarsch von zehntausenden SA-Männern in Formation manifestiert ein Bild des Immergleichen, der Marsch versteinert zum feststehenden Tableau marschierender Truppen.
Der Zusammenhang zwischen extensiver Bewegung und Erstarrung wird noch an Hitlers Rhetorik evident. Es ist vielfach bezeugt, daß er nach dem äußersten Paroxysmus einer vollbrachten Rednerleistung oftmals in einen Zustand völliger Apathie und in mimische Erstarrung verfiel. Zwei Attribute, die er gerne und häufig zur Bezeichnung seiner inneren Haltung verwandte, sind ,eiskalt' und ,blitzschnell', übrigens gleichzeitig Formeln der Coca-Cola-bzw. Automobilreklame der Zeit.113 Auch in der zeitgenössischen Musik finden sich Beispiele für das Umkippen bzw. Übereinanderlagern von Liquidität in bzw. und Erstarrung. Für die Beschreibung von Strawinskys Musik wurde die Metapher „vereiste Glut"114 benutzt; es hieß, der Gesang würde bei ihm „in eine maschinelle Motorik eingeschmolzen".115
Erstarrung und Liquidität sind keine Gegensätze, sie können sofort und unproblematisch aufeinander bezogen und vermischt werden:
Es liegt wohl am Tempo, mit dem sich diese Umwälzung [die mit dem 30. Jan. 1933 begann, Anm. von mir, R. Z.] vollzog und an der Selbstverständlickeit, mit der sie von der breiten Masse des Volkes durchgeführt oder doch hingenommen wurde, daß ihre Ergebnisse heute als feststehende Tatsachen in das Feld der Erscheinungen hineingerückt sind, und daß niemand in Deutschland auch im leisesten nur noch daran zu zweifeln wagt, daß sie für alle ausdenkbare Zeit unabänderlich geworden sind.116
Das Zitat stammt aus dem Vorwort von Goebbels' Buch „Vom Kaiserhof zur Reichskanzlei", auf dessen ersten beiden Seiten unablässig von Umwälzungen, atemberaubendem Tempo, Aktivität und Revolution gesprochen wird, die zur historischen Tatsache geworden seien. Der Rekurs auf den Tatsachencharakter des Gesagten läßt sich geradezu als Pflichtübung eines jeden Sprechers der dreißiger Jahre beschreiben, denn:
Nur Tatsachen stehen fest, Urteile schwanken und wechseln.117

Der Satz stammt aus einem der meistgelesenen Bücher der Zeit, aus Oswald Spenglers „Jahre der Entscheidung", das sich in den ersten drei Monaten nach seinem Erscheinen im August 1933 schon über einhundert-tausendmal verkaufte. Dieser Satz, daß nur ,Tatsachen' feststehen, standfest im Bewußtsein der Dreißiger Jahre. Er verweist Bewußtsein, Denken, Sprechen in den Bereich permanenter Liquidität und Unsicherheit.
Aber der Respekt gegenüber dem Feststehenden paart sich mit der Faszination an der Bewegung. Die Mobilisierung der Massen realisiert sich im Vorschein von Bewegung, die als totale ,Tatsache' vorgeführt wird. Noch heute sind solche , Tatsachen' die sensationsfähigsten, die ein Höchstmaß an veränderndem Potential bergen, aber gleichwohl sofort wieder als ,Tatsache' auftreten. Allerdings spielt das Reizwort ,Tatsache' bei der Evokation von Objektivität heute wohl nur noch eine geringe Rolle. Die ,Information' ist als Prinzip an die Stelle der ,Tatsache' getreten. Während das Prinzip der Information heute das sprachliche Äquivalent zur ,Tatsache' geworden ist, und Meinung die begleitende Veranstaltung des Bewußtseins bedeutet, kommt das Wort ,Information' in den dreißiger Jahren so gut wie gar nicht vor. Die ,Tatsachen' - so scheint es - finden ihren Weg in die Sprache, ohne durch einen bestimmten Gestus des Sprechens als ,Tatsache' ausgewiesen zu sein. Auch pathetische oder gefühlsbetonte Sprechgesti können den Anspruch erheben, von ,Tatsachen' zu sprechen:
Wir fühlen, daß in unserm Blut ein Kontakt angeknipst ist. Das sind keine Redensarten, es ist Tatsache.118
Wie hier der Satz aus Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues" bedarf der Rekurs auf die ,Tatsache' noch nicht des Informationsjargons, um als ,Tatsache' akzeptiert zu werden. Was hier als ,Redensart' unglaubwürdig oder suspekt erscheinen mag, kann sich als ,Tatsache' größerer Akzeptanz versichern, wie es auch schon anhand des Leitartikels „Die Tatsache Bayern" ersichtlich war.
Wenn das Feststehende der ,Tatsachen' heute nur noch in der gleichbleibenden Modulation der Nachrichtensprecher oder insgesamt im Immergleichen des Mediums zu bestehen scheint, so kann der Tatsachencharakter von etwas in den dreißiger Jahren in allen möglichen Tonarten aufgerufen werden: von Idee, von Gefühl, von Ironie, von Bewegung, sogar von Geheimnis:
Als letzte Art des Verstehens der Dinge wie sie sind, erscheint die Skepsis, der gründliche Zweifel an Sinn und Wert des theoretischen Nachdenkens, an dessen Fähigkeit, kritisch und begrifflich irgend etwas zu erschließen und praktisch irgend etwas zu leisten: die Skepsis in Form der großen historischen und physiognomischen Erfahrung, des unbestechlichen Blickes für Tatsachen [. . .]; die Ehrfurcht vor den Tatsachen des Weltgeschehens, die innerlich Geheimnisse sind und bleiben, die wir nur beschreiben und nicht erklären können und die praktisch nur durch Menschen von starker Rasse, die selbst historische Tatsachen sind, gemeistert werden können [. . .]. Dieses harte historische Wissen um die Tatsachen [. . .] ist den weichen, unbeherrschten Naturen unerträglich.119

Solche „weichen, unbeherrschten Naturen" üben dann wie hier Skepsis an der „Ehrfurcht vor den Tatsachen". Vor allem weil gilt: „[. . .] der Kampf ist die Urtatsache des Lebens [. . .]".120
Wer wie Spengler „im Sturm der Tatsachen"121 steht, sieht überall nur noch ,Tatsachen'. Ob „Kampf, ob „Rasse", als ,Tatsachen' beanspruchen sie jene objektive Bedeutung, die ihnen dann auch zukam, nachdem sie sich permanent als ,Tatsachen' behauptet hatten.
Die Bandbreite dessen, was alles ,Tatsache' sein kann und wie über sie gesprochen werden kann, ließe sich erweitern. Gemeinsam ist dem Sprechen über ,Tatsachen' in den Dreißiger Jahren nur eines: die Voraussetzung, daß es sich um feststehende und objektive Größen der Wirklichkeit als einer außersprachlichen handelt, und die Überblendung des Sprechens mit dieser Wirklichkeit.
Kisch wandelt die dem Tatsachensprechen nach Maßgabe des eigenen Postulats genuin zukommende Form des ,das ist' in ein ,so ist es' um, wobei er im ,so' immer schon seine Interpretation von Wirklichkeit versteckt hält, die aber als eine mit dem ,es' identische behauptet werden kann. Kisch überblendet das ,so' und das ,es' bzw. seine Texte können nur dann als Reportagen gelesen werden, wenn diese Überblendungsleistung erfolgt. Er ist damit der Vorläufer eines Magazin-Journalismus, wie er heute gang und gäbe ist.
Goebbels wandelt die deiktische Form des ,das ist' in die konstatierende des ,es ist'. Im ,es ist' sind seinen Konstitutionsmöglichkeiten von Wirklichkeit keine Grenzen gesetzt. Die Entwicklung der Kongruenzfähigkeit von „Ein Volk, Ein Reich, Ein Führer",122 aus einer ,Bewegung' geboren, zu einer totalen ,Tatsache' stabilisiert, endet vorläufig in der Sprache der Werbung: „Alles ist in Afri-Cola!"
Das Erstaunliche an Kisch und Goebbels wie an den anderen Beispielen, die wir angeführt haben,  aber ist, daß der Anspruch dokumentarischen Sprechens durch keinen bestimmten Jargon ausgewiesen sein muß.

Der Informationsjargon, der heute jene Vermittlung leisten soll, die in der Auffassung der Sprache als purem Medium eigentlich unmöglich geworden ist, war in den Dreißiger Jahren offenbar historisch noch nicht notwendig, um eine Eins-zu-eins-Relation von Sprechen und Wirklichkeit herzustellen. Wenn Sprache als bloßes Instrument begriffen wird, um die Dinge der außersprachlichen Wirklichkeit zu bezeichnen, dann ist die Erfahrung nicht fern, daß man sich dieses Instruments auf sehr verschiedene Weise bedienen kann. Das Vertrauen in den korrekten Gebrauch stellt sich als Jargon her; in ihm vermittelt sich die Gewohnheit einer Sprechhaltung, er vermittelt damit aber auch automatisch jenes Verhältnis von Sprechen und Wirklichkeit, als das er antrat. Als bloßes Medium verstanden und benutzt, leistet Sprache keine Vermittlung mehr zwischen dem Bezeichnendem und dem Bezeichneten, sondern nur noch Referenz. Aber ohne Vermittlung geht es nicht, wenn das Bedeutete im Sprechen erscheinen soll, so daß heute bei der überwiegenden Anzahl der Sprechakte, besonders im Sprechen der Medien, der Jargon leisten muß, was der Sprache selbst nicht mehr zugetraut wird. Der Jargon vermittelt scheinhaft als ein bestimmter Gebrauch des Instruments Sprache diese mit der Wirklichkeit. Er signalisiert zum Beispiel den Sprachgestus der Information, der Konversation, der Ironie oder der Anteilnahme, weil die Intentionen des Sprechens aus der Semantik des Gesagten in den seltensten Fällen erhellen. Im Jargon ist Sprechen nicht „Vermittlung von zu Vermittelndem",123 sondern vermittelndes Mittel. Die als Vehikel zu Zwecken eines Transports von Bezeichnungen verstandene Sprache, die benutzt wird und wie alles Benutzte abnutzt, leistet die von ihr verlangte Eindeutigkeit der Bezeichnung von Phänomenen der Wirklichkeit nur noch dann, wenn die Art der Benutzung der Sprache im Jargon des Sprechaktes gleich mitdefiniert wird. Der Jargon läßt keine Zweifel aufkommen, was mit dem, was aus sich heraus nichts bedeutet, sondern nur bezeichnet, gemeint sein sollte. Die im Sprachbewußtsein verlorengegangene Vermittlungsleistung der Sprache muß heute in den überwiegenden Sprechakten durch den Jargon scheinhaft restituiert werden. Er vermittelt die als Medium verstandene Sprache mit dem Bewußtsein.124
 
Das Sprechen von ,Tatsachen' und von ,Bewegung', beides Begriffe und Bedeutungen, auf die Denken und Sprechen der Zeit permanent abstellen, bedarf solcher jargonhafter Vermittlung nicht. Beide Bedeutungen lassen sich beliebig mit anderen Bedeutungen koppeln, ohne daß Bedeutungsspannungen, Unterschiede, Widersprüche, Gegensätze, Unvereinbarkeiten oder auch Tautologien, die das Sprechen konstituiert, ihm selbst bewußt werden. Überblendung ist als eine Leistung des Sprechens zu verstehen, eine Bedeu-tungsgebung durch Bedeutungsvermischung solcher Bedeutungselemente zu erzielen, deren Bedeutung als eine garantierte und festgeschriebene aufgefaßt wird. Hier liegt wohl auch der Grund für die Instabilität dessen, was nur durch Überblendung (scheinhaft) vermittelt wurde. Wie das Gemischte und Geklitterte setzt sich auch das Überblendete in der Zeit wieder auseinander und offenbart die ehemalige Einheit sehr deutlich als eine bloß gemachte und gezwungene.
Aus dieser Perspektive erschließen sich zum Beispiel einige Phänomene, die in der Forschung häufig als ,Umwertung' auf der Ebene des Vokabulars der Dreißiger Jahre verstanden werden. Wenn die Nazis - um ein oftmals zitiertes Beispiel zu wählen - von Mord als ,Sonderbehandlung' sprachen, so ist das nicht als Wertpervertierung zu begreifen, deren Betreiber den Mord aus außersprachlichen Gründen und zu Zwecken der Kaschierung mit einem Euphemismus bezeichnen. ,Sonderbehandlung' ist nicht der ,falsche' Name für etwas, das davon unabhängig in seiner bisherigen Bedeutungsgestalt überlebt hätte. Vielmehr überblendet die Vorstellung einer Bedeutung von ,Sonderbehandlung' die Vorstellung einer Bedeutung von Mord. Gerade an diesem Beispiel kann deutlich werden, welches Entsetzen durch Überblendung erzeugte Bedeutungseinheiten in ihrem Auseinanderbrechen freisetzen.
Das Vermittlungsprinzip der Überblendung bietet aber auch eine mögliche Erklärung für das Unbemerktbleiben jener Antagonismen in den Dreißiger Jahren,   deren   Nebeneinander   uns   heute   rätselhaft   und   unvermittelt erscheint.
 
Dieses offenbar für die Zeit selbst problemlose Nebeneinander widersprüchlicher Postulate wird gerne mit der These von der Ungleichzeitig-keit des Gleichzeitigen erklärt, die hinsichtlich einer Ideengeschichte auch sicherlich zutreffend ist. Dieser These liegt das Verständnis zugrunde, daß in den Dreißiger Jahren gleichzeitig Bedeutungen aktiviert werden konnten, die ungleichzeitigen historischen Stufen der Ideengeschichte entstammten. Das Erkenntnisangebot der These besteht also, überspitzt formuliert, darin, Unordnung im damals geordnet Empfundenen erblicken zu können. Überblendung hingegen wäre als das Prinzip des Sprechens zu verstehen, das jene Ordnung stiftet und empfinden läßt. Viele Synthesen, mit denen die Menschen der Dreißiger Jahre wie selbstverständlich lebten, erscheinen heutigem Bewußtsein schon allein deshalb nicht mehr nachvollziehbar, weil deren Auseinanderbrechen geschichtlich wirksam wurde, bewußtseinsgeschichtlich wirksam wurde. Eine Bedeutungsüberblendung wie die von ,Volk', ,Führer' und ,Reich' wird Sprechen heute wohl kaum mehr leisten können. Andere Scheinvermittlungen, wie zum Beispiel die der Technik als eines Vehikels der Unmittelbarkeit, worauf wir im nächsten Abschnitt zu sprechen kommen, überleben bis heute. Das Phänomen der Überblendung ist zweifellos eines der Moderne, auch wenn in den Dreißiger Jahren teilweise pointiert antimoderne Postulate innerhalb überblendenden Sprechens vertreten wurden. Nicht das Nebeneinander disparater Inhalte zeichnet die Dreißiger Jahre als Epoche aus, sondern Überblendung als Prinzip des Sprechens und Prinzip des Bewußtseins, das Disparate scheinhaft zu vermitteln.
Wir haben bisher versucht, ein bestimmtes Prinzip der Bedeutungskonstitution im Sprechen der Dreißiger Jahre herauszuarbeiten. Das Begreifen der Wirklichkeit als einer von ,Tatsachen' und ,Bewegung' stand dabei im Vordergrund. Der nächste Abschnitt wird sich den HandlungsVorstellungen der Dreißiger Jahre zuwenden, dem Begreifen von Verwirklichung als einer von ,Taten'. Die Plausibilität dieses nächsten Schrittes erläutern wir in einer Vorbemerkung. Ein kleines Schlaglicht auf die Geltung der ,Tat' im Bewußtsein der Zeit mag aber hier schon ein einziger Satz werfen, der der Vorbemerkung des Verlages aus einem Science-Fiction-Roman entnommen ist:
[. . .] Verwirklichung steht unmittelbar bevor, sie wird geschaffen werden, weil unsere Zeit der tatbrauchenden Hirne sie nötig hat und will.125
 
. . . den Weg frei machen. Mit dem Wort, in dem die Tat sich schon aufbäumt.
Joseph Goebbels: Michael. Ein deutsches Schicksal in Tagebuchblättern (1929).



113  Schäfer, Hans Dieter: Das gespaltene Bewußtsein. Über deutsche Kultur und Lebenswirklichkeit 1933-1945. München/Wien 1981, S. 120; siehe auch S. 155.
114 Fleischer, Herbert: Strawinsky. In: Die neue Rundschau. Jg. XIII (1932), Bd. 1. S. 862-863, 863.
115 Fleischer (s. Anm. 114), S. 862.
116  Goebbels, Joseph Dr.: Vom Kaiserhof zur Reichskanzlei. Eine historische Darstellung in Tagebuchblättem (Vom 1. Januar 1932 bis zum 1. Mai 1933). München 1934, S. 7.
117  Spengler (s. Anm. 8), S. VIII. Siehe zu der genannten Auflagenhöhe: Koktanek, Anton  Mirko:   Oswald   Spengler  in   seiner  Zeit.   München   1968,   S.   446:   „Der ungeheure Erfolg des Buches übertraf noch den des Hauptwerks. Am 15. September druckte man schon das 60., am 22. September das 80. und am 30, Oktober das 100. Tausend." Siehe grundlegend zu Spengler die jüngst erschienene Monographie von Feiken, Detlef: Oswald Spengler. Konservativer Denker zwischen Kaiserreich und Diktatur. München 1988.
118 Remarque, Erich Maria: Im Westen nichts Neues [1928]. Köln/Berlin 1968, S. 62.
119  Spengler (s. Anm. 8), S. 9.
120  Spengler (s. Anm. 8), S. 14.
121  Spengler (s. Anm. 8), S. 22.
122  Siehe zu dieser Totalkongruenz des Unvereinbaren auch Kiesewetter, Hubert: Von Hegel zu Hitler. Analyse der Hegeischen Machtstaatsideologie und der politischen Wirkungsgeschichte des Rechtshegelianismus. Hamburg 1974, S. 244: Die „Idee des Führertums" verfalle der „Illusion einer Auflösung des Gegensatzes zwischen Volk und Herrscher". Diese politologisch relevante Illusion ist aber, wie wir gezeigt haben, nur ein Produkt jener Leistung des Bewußtseins, generell Disparates zu einer Einheit überblenden zu können.
123  Arntzen, Helmut: Grundfragen der Literatur. In: H. A., Zur Sprache kommen (s. Anm. 36), S. 7-40, 21: „Sprache ist nicht die Sache selbst, auch nicht bloßes Zeichen, sondern Vermittlung von zu Vermittelndem. Dies allerdings kann sie nur unter zwei Bedingungen sein: entweder wenn sie Repräsentantin des Gotteswortes ist oder wenn sie Subjektivität als ,Wissen des Selbstbewußtseins' (Hegel) darstellt." Die zweite Bedingung löst in besonderer Weise die Literatur ein: „In der Literatur ist Sprache gleich weit entfernt von magischer Identifikation von Sprache mit Sache wie von einer scientifischen Unterscheidung des signifiant vom signifie. In der Literatur ist sie Vermittlung, welcher Begriff nicht wie der des Mediums ein Mittel nur aussagt, vielmehr immer schon das Vermitteln als das Erscheinen der ,Sache'" (Einleitung, S. 1-4, 3).
124  Auf die Vermittlung des Mediums Sprache durch einen auf Eindeutigkeit tendierenden Jargon ist  die Welt offenbar in steigendem Maße angewiesen.  Kaum ein Sprechakt im Femsehen, der nicht seine Rezeptionsanweisung mitlieferte. Die Verwirrung, die von Sätzen ausgelöst wird, denen der Rahmen eines Jargons fehlt, ist dabei beispielsweise zu ermessen am historischen Zustand der Satire, die sich heute oftmals durch nichts mehr von den realen Zuständen unterscheidet, weshalb man ja auch seit einiger Zeit gerne von der sogenannten ,Realsatire' spricht. Derselbe Satz eines Politikers funktioniert in den Nachrichten als Nachricht und im anschließenden Kabarett als Satire. Der einzige Unterschied ist der, daß er in den Nachrichten nach einem Doppelpunkt steht (Bonn:), zudem natürlich im Munde der jeweils bekannten Sprecher auch verschieden wirkt. Die Magazin-Sendungen (,Monitor', ,Panorama' etc.), die sowohl ,eigentliche' wie auch ,satirische' Beiträge senden, sind stellenweise dazu übergegangen , die Rezeptionshilfe ,Achtung Satire!' einzublenden, weil sie der eigenen Darstellung nicht mehr über den Weg trauen bzw. davon ausgehen, daß sowieso nicht mehr verstanden werden kann, was dargestellt wurde, sondern nur, was mitgeteilt wurde. Der Begriff des Jargons wäre im Hinblick auf die Prinzipien des Mediums Fernsehen natürlich weit zu fassen. Vorvermittlungen, wie das Gesagte aufzufassen sei, leisten zum Beispiel auch die Interieurs der Studios, das Image der Sprecher etc.
125 Siodmak, Kurt: F.P. 1 antwortet nicht. 26.-30. Tsd. Berlin 1931. Aus der Vorbemerkung des Verlags.



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