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D-SIGN. Zur Gestaltung deutscher Identität
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D-SIGN. Zur Gestaltung deutscher Identität

IMPRESSUM

HERAUSGEBER

Identity Foundation
Gemeinnützige Stiftung

Vorstand:
Paul J. Kohtes (Vors.)
Dr. Ulrich Freiesleben

Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirates:
Prof. Dr. Eugen Buß

Projektführung:
Prof. Dr. Rainer Zimmermann

Lektorat:
Dr. Nadja Rosmann

Düsseldorf © 2009

KONZEPTION

Fachhochschule Düsseldorf
Fachbereich Design

Supervision:
Prof. Wilfried Korfmacher
Prof. Dr. Rainer Zimmermann

GESTALTUNG

Shorena Baliashvili
Tatiana Davidova
Camilla Drzymalla
Mareen Fischinger
Gudrun Gehlhaar
Katja Günther
Nadine Janke
Sina Jung
Julia Kipermann
Katharina Konrad
Anja Kubitzki
Alexandra Lang
Simon Matzke
Ninetta Orfgen
Eva Pika

Buchgestaltung:
Camilla Drzymalla
Heike Hilterscheid
Julia Kipermann
Eva Pika

Produktion:
Stefanie Strieker

Druck:
Schotte GmbH & Co. KG
Bruchstraße 19–21
47829 Krefeld

Lithografie:
digibox Gesellschaft für digitale
Text- und Bildverarbeitung m.b.H.
Düsseldorf

Papier und Schrift:
Heaven 42, Scheufelen
Berthold Akzidenz Grotesk

Die Studie „Deutschland auf der Suche nach sich selbst“ der Identity Foundation kann kostenlos als Druckexemplar angefordert bzw. von der Website der Stiftung (www.identity-foundation.de) als PDF heruntergeladen werden.

Identity Foundation
c/o Pleon GmbH
Bahnstraße 2
40212 Düsseldorf
Telefon: +49-211-9541-2307
Fax: +49-211-9541-2380
E-Mail: info@identity-foundation.de
Internet: www.identity-foundation.de

 

 

Vorwort

 

D-SIGN. Zur Gestaltung deutscher Identität

Die Deutschen, so sagt man, denken generell viel nach, besonders über ihre eigene Identität und den Sinn des Ganzen. Die Frage, was eigentlich deutsch ist, prägt die Geschichte dieses Landes seit dem Dreißigjährigen Krieg und bis heute geben Preußen und Bayern unterschiedliche Antworten darauf. Die Grenzen des Landes verändern sich im Rhythmus von Jahrzehnten, an den Rändern bröckelt es ab oder dockt an. Gerade mal 44 Jahre hatten wir uns an die territoriale Einheit der BRD gewöhnt, als die Wiedervereinigung kam. Bot die äußere Kontur des Landes schon keinen Halt, so fehlte im Inneren auch stets ein unbezweifelter Kern, an dessen Stelle unterschiedliche regionale Orientierungen traten.

Spätestens seit der traumatischen Erfahrung einer negierten Identität nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Deutschen sich antrainierten, so wenig deutsch wie möglich zu sein, gewinnt das Identitätsvakuum dann eindeutig die Oberhand. Die Gebildeten sprechen bereits Englisch, wenn sie die holländische Grenze überqueren, das Volk sucht die ersten Auslanderfahrungen und Ferienerlebnisse in den 50er Jahren dann nicht zufällig in Italien, dem verbündeten Land, weil man sich hier sicher sein darf, nicht mit dem Hitler Gruß an die Vergangenheit erinnert zu werden. In den USA assimilieren sich die Deutschen zur Unkenntlichkeit, bauen kein Little Germany neben die vielen Little Italys, Little Chinas und Frenchtowns. Im Gegenwind keimen dann in den 60er Jahren erste Versuche auf, die deutsche Identität zu rekonstruieren.

Wir klammern uns zunächst an Wunder (Wirtschaftswunder, Fräuleinwunder, Wunder von Bern), beginnen aber kurz darauf, symbolisch markant im kollektiven Gedächtnis mit Willy Brandts Kniefall in Warschau verankert, mit der Aufarbeitung der Vergangenheit. Die 68er Generation erschafft ein neues Gegenbild deutscher Identität mit Grundwerten wie Friedensliebe, Systemkritik, Umweltschutz, Gleichberechtigung, aber rekonstruiert auch den deutschen Hang zur Radikalität von Luther bis Hitler in einer neuen revolutionären Grundhaltung. In den folgenden Jahrzehnten speist sich die deutsche Identität aus einer klaren Position gegen nazideutsch und gewinnt dann allmählich auch weitere Eckpfeiler eines nationalen Selbstbewusstseins hinzu. Deutsche Ingenieurskunst, deutsche Autos und deutsche Weltmeisterphantasien gehören dazu, an denen wir uns mit der Exportweltmeisterschaft und gelegentlich auch der Fußballweltmeisterschaft gerne ergötzen.

Neben diesen Nachkriegsquellen westdeutscher Identität kursieren auch weiterhin die ewigen deutschen Attribute wie Ordnung, Genauigkeit, Perfektionsstreben, Regulierungssucht, Zweifel, Rastlosigkeit, Innerlichkeit oder Weltschmerz. Die Assoziationen reichen von Maschinen, Bier und Brot, Wurst und Wald über Grübeln, Tüfteln, Werkeln bis hin zu Erzgebirge, Schwäbischer Alb und Bayern. Deutsch sind Föderalismus und Schrebergartenmentalität, Heimat und Gemütlichkeit, Kitsch und Kaffee aus der Thermoskanne. Deutsch sind Weltmeisterkomplex und Automobil, Systematik und Umwelttechnologie, Namen wie Bosch, Diesel und Daimler, aber auch Kant, Luther und Bach.

Wenn man die Ausländer fragt, was deutsch ist, fällt das Urteil deutlich klarer aus: Wir können anerkanntermaßen gut organisieren und strukturieren, sind zuverlässig, gründlich und bauen die besten Autos der Welt. In der Umweltethik und Umwelttechnologie traut man uns eine Vorreiterrolle zu. Wir sind inzwischen als friedliebendes Volk geschätzt, denn die erste Stimme gegen den Irak-Krieg wurde weltweit vernommen und hatte eine hohe positionierende Wirkung. Wir freuen uns über all das nicht besonders, sagen die Ausländer, sondern erwecken im Gegenteil den Eindruck, eigentlich lieber ein Italiener oder Brasilianer sein zu wollen. Was die Ausländer am meisten nervt an den Deutschen, ist die Tatsache, dass sie beim Essen in einer Gruppe immer getrennt bezahlen wollen. In dieser Szene schimmern kaleidoskopartig auch die meisten negativen Identitätsmerkmale der Deutschen auf, mangelnde Großzügigkeit, mangelnder Familiensinn, mangelnder Gemeinsinn, Kleingeisterei, Bürokratie und Kälte.

Erstaunlich viele Bücher sind geschrieben worden zu diesem Thema, von Psychologen und Soziologen, Historikern und Kulturwissenschaftlern, Schriftstellern und Journalisten. Deutsche Identität ist heute eher ein begrifflicher Irrgarten aus immer neuen Kombinationen der ewig gleichen Motive und Klischees deutscher Eigenart. Die Wiedervereinigung ist dabei in der kollektiven Erfahrung aller Deutschen noch längst nicht angekommen, wir schleppen momentan noch zwei Biographien mit uns, die erst langsam zusammenwachsen. Die Identity Foundation hat diese Geschichtslosigkeit und Desorientierung in der deutschen Identität jüngst untersucht, durch eine aktuelle Studie des Instituts Rheingold ergänzt und dokumentiert (siehe www.identity-foundation.de). In Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Design der Fachhochschule Düsseldorf entstand der Wunsch, das komplexe Thema deutscher Identität auch bildlich, gestalterisch zu bearbeiten und das Missverhältnis zwischen begrifflicher Reflexion und bildlicher Darstellung zu beseitigen. So differenziert nämlich die schriftliche Quellenlage zur deutschen Identität ist, so erbärmlich sind die Bilder, die dem kollektiven Gemeinschaftsgefühl angeboten werden. Gibt es Bilder jenseits von Gartenzwergen, bayrischer Folklore und Deutschlandfahnen beim Mauerfall oder der WM 2006? Kann Design gestalterisch leisten, was der Diskurs in den letzten Jahrzehnten erarbeitet hat?

Gemeinsam mit meinem Kollegen Wilfried Korfmacher und Design-Studenten aus zwei Seminaren der WS 07/08 und SS 08 haben wir an diesen Fragen gearbeitet und legen nun anlässlich des 60. Jubiläums der Bundesrepublik Deutschland mit freundlicher Unterstützung der Identity Foundation den Katalog dazu vor.

Düsseldorf, im April 2008

Rainer Zimmermann

 

Bildnachweise


Paul Klee
Senecio, 1922,181
Ölfarbe auf Grundierung auf Gaze auf Karton; originaler Rahmen, 40,5 x 38,4 cm, Öffentliche Kunstsammlung, Basel
Kunstmuseum Basel
© VG Bild-Kunst, Bonn 2009

Caspar David Friedrich
Der Wanderer über dem Nebelmeer, 1818
bpk / Hamburger Kunsthalle / Elke Walford

Gerhard Richter
Düsenjäger, 1963
picture-alliance/dpa, Fotograf: Christie's, © dpa - Bildfunk

Franz Marc
Rote Rehe II, 1912
Franz Marc Museum, Kochel am See

August Macke
Dame in grüner Jacke, 1913
Rheinisches Bildarchiv, Köln

Prilblumen, mit freundlicher Genehmigung der Henkel AG & Co. KGaA

 

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