ZEDELWERK
Widerspiel und Vermählung
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...Beide Texte wurden nicht ansatzweise erschöpfend und nur im Hinblick auf das Problem von Identität und Nichtidentität in der Metapher interpretiert...

IV.

Beide Texte wurden nicht ansatzweise erschöpfend und nur im Hinblick auf das Problem von Identität und Nichtidentität in der Metapher interpretiert. So wäre zum Beispiel erweiternd zu fragen, inwieweit sich der Text "Möwen" auf eine emblematische Intention verpflichten ließe,20 worauf schon Benjamins Übernahme der im Barock und bei Herder gebräuchlichen Übersetzung von 'Emblem' als 'Denkbild' hinzudeuten scheint, aber auch, inwieweit denn der Text "Der Baum und die Sprache" als Idylle zu lesen wäre, um nur zwei Aspekte zu nennen.
Die "Möwen" bedeuteten ihre Mantik und Semantik zugleich, aber unvereinbar, so daß keine Identität des Nichtidentischen entstand, wohl aber im Begriff der "Möwen" Voraussetzung war. Die Nichtidentität der "Möwen" mit sich selbst erreichte keine Identität in der Metapher, die Transformationen zwischen dem begrifflich Invarianten und dem metaphorisch Varianten desselben kamen nicht zur Ruhe. Die Metapher "Möwen" ergab so keine Identität des Nichtidentischen als Bedeutung, wohl aber wurde sie Funktion der Darstellung dieses Problems.
Der Darstellung des Textes "Der Baum und die Sprache" zufolge wird das, was die Metapher im Sinne des Satzes 'Eine Metapher ist die Identität des Nichtidentischen' erst zu leisten hätte, prinzipiell schon von jedem Sprechen geleistet, weil jedes Sprechen metaphorisch ist. Nur ein solches Sprechen, das seine natürliche Metaphorizität nicht bemerkt oder zu verdrängen versucht, fällt in den unnatürlichen Zustand der Nichtidentität mit seinem Gegenstand zurück. In der Konsequenz des Textes wäre unser Ausgangssatz zu variieren: 'Intentional metaphorisches Sprechen ist die Identität von Sprechen und Gegenstand des Sprechens' . Die Nichtidentität wäre in diesem Fall schon durch die Sprachgeschichte selbst überbrückt worden; die in ihr angelegten Intentionen zu bedenken, hieße intentional metaphorisch zu sprechen.

In diesem Sinne wäre das Natürliche des Sprechens, die metaphorische Identität mit seinem Gegenstand, im Text "Der Baum und die Sprache" als ein "Gegenstand der Freude" gezeigt, "indem sie", die Einheit, "als wirklich vorgestellt" wird (Schiller).21 Das "Wohlgefallen" an der Natur der Sprache wird "herrschende Empfindung", während deren Kunstfertigkeit (Rhetorik) machtlos bleibt.22 Heute, unter der Dominanz eines permanent entfremdeten Sprechens, in dem jene natürliche Einheit nicht nur verloren ist, sondern kaum noch erinnert wird, ist es möglich geworden, ein geglücktes metaphorisches Sprechen schon als Idylle zu lesen.

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