Der Begriff intelligentes Design, seit Jahrzehnten ein beliebtes Kriterium und Kompliment in der Beurteilung von Designqualität, ist durch die US-amerikanische intelligent design Bewegung in Verruf geraten. Die Theorie dieser Kreationisten besagt ja, dass die Menschen ihre Existenz nicht allein der natürlichen Selektion und Evolution, sondern dem Gestaltungswillen eines Schöpfers verdanken, den wir uns zunächst als Designer vorstellen sollen, ohne ihn zugleich als Gott anbeten zu müssen. Die Protagonisten dieser Designerthese wollen damit einen theoretisch fundierten Gegenentwurf zur Evolutionslehre aufbauen, der zunächst ohne einen allmächtigen Gott auskommt. Aber statt Urknall und Evolution steht jetzt ein intelligenter Designer am Anfang der Schöpfung, er wird als Designer penibel und vielleicht auch divenhaft auf die dauerhafte Sicherung und Einhaltung seines Konzeptes achten.

Das erinnert mich an das berühmte Arirang Fest in Pyongyang, Nordkorea, bei dem zehntausende von Komparsen mit Farbtafeln ein Gesamtbild im Sinne des großen Diktators ergeben (1). Massenchoreographien wie diese sind immer schon ein gutes Indiz für Diktaturen gewesen, man bekommt sie auch technisch nur dann gut hin, wenn man hunderttausende Bürger rekrutieren, gleichschalten und instrumentalisieren kann. In Arirang wie bei der intelligent design Bewegung ist der Einzelne so bloß eine Marionette im Masterplan. Jedenfalls müssen wir umdenken, das Prädikat intelligentes Design kann inzwischen leicht als Beleidigung aufgefasst werden oder – schlimmer noch – als Verschleierungs-Strategie (2) enttarnt werden. Das Intelligente darf schließlich nicht darin bestehen, dass mit Hilfe des Designs Massen erfolgreich reingelegt werden können.

Also dann, was wäre das bessere Kompliment? Raffiniertes Design vielleicht? Klingt mir zu affektiert, ich bin überhaupt gegen Verwässerung. Ich finde wir sollten es machen, wie die Presse, als Prince sich in ein Symbol umbenannte und redaktionell nicht mehr bezeichnet werden konnte. Da nannte man ihn einfach TheArtistFormerlyKnownAsPrince, also TEFKAP. Wir sprechen also künftig besser von DesignFormerlyknownAsIntelligent, abgekürzt DEFKAI. Bitte merken Sie das vor, man sollte sagen: dieses Design ist sehr defkai statt sehr intelligent. So ist sichergestellt, dass jene Bedeutung gemeint ist, die ursprünglich intendiert war. Gleichzeitig ist diese Bedeutung vor Übernahmeversuchen geschützt. Man darf nicht zulassen, dass ursprüngliche Bedeutungen von Bewußtseinspiraten wie der intelligent design Bewegung gekapert und umgedeutet werden. Die Codierung von Bedeutungen und damit der Schutz vor Assimilation durch Fremde ist im übrigen die klassische Strategie aller Freiheitsbewegungen vom Christentum bis zum Punk gegen herrschende Interpretationsmonopole. Defkai Design wäre ein bisschen so wie Manufactum: es gibt es noch, das gute alte intelligente Design.

(1)   zit aus dem just erschienenen und sehr schönen Band des Fotografen Werner Kranwetvogel, A Night in Pyongyang, Berlin 2007.

(2)  Siehe Harro von Senger: 36 Strategeme. München, Wien 2004.