Heute: Designing Servbots
Fri 11 Apr 2008
Kleine Affen in Menschenkleidern sind rührend. So niedlich der Kleine, und wie lässig er da sitzt! Scheint sogar das gleiche Mode Label zu tragen wie sein Kumpel. Ich möchte dieses wunderbare Foto von Dayaba Usman und seinem Pavian mit dem Namen Clear aus Nigeria (1) gerne einbringen in die schwelende Diskussion um die künftige Gestaltung von Robotern für haushaltsnahe Dienstleistungen und Pflegedienste, sogenannten Servbots. Der nette Pavian Clear verfügt über gleich drei unerlässliche Design Eigenschaften gegenüber den herrschenden Entwürfen, er ist nämlich klein, weich und nicht nackt.
Klein ist gut, weil Menschen keine Angst vor Servbots haben dürfen. Die körperliche Dominanz sollte auf unserer Seite sein, auch 80jährige müssen sich gegen einen ausgerasteten Bügelroboter zur Wehr setzen können. Weich ist gut, weil es Nähe ermöglicht und das Gefühl nährt, der Roboter könne sich in unsere Welt einschmiegen und assimilieren. Das nicht Nackte schließlich ist Voraussetzung für eine geglückte Anthropomorphisierung der Servbots (2), damit Garant für ein friedliches Miteinander und eine geglückte Domestikation. Die antiseptischen Entwürfe der zumeist japanischen Designer hingegen bieten uns nur glatte und kalte Flächen, an denen der menschliche Urtrieb, in fremde Wesen Menschliches hineinzulesen, einfach nur abgleitet. Wenn wir es lieben sollen, dann müssen wir es uns auch anverwandeln können, das sollte ja eigentlich auch in Japan bekannt sein. Die Ingenieure sind wahrscheinlich dagegen, aber ich glaube, auf Dauer wird sich Fell durchsetzen, das hat sich ja auch bei unseren Haustieren bewährt.
Und der Affe als role model für den Service Roboter ist natürlich schon in sich eine killer application. Er ist das menschenähnlichste Tier überhaupt, wenn man ihn anschaut, schauen Philogenese und Ontogenese zurück. Der Affe ist das perfekte Design Vorbild für einen Servbot, nicht etwa der Mensch selbst. Ich vermute, dass die Designer sich derzeit noch vom strategischen Kurzschluss leiten lassen, dass der optimale Service Roboter menschliche Proportionen haben sollte. In der bloßen Nachahmung einer schon stilisierten menschlichen Form können jedoch nur Wesen entstehen, die wie Attrappen wirken. Nachahmung und Imitation gehören strategisch in den Bereich der Desinformation. Mimese und Mimikry sind in der Natur Strategien der List und der Täuschung. Plato hat die Mimesis als Scheinwelt verurteilt. Das sind nur ein paar anthropologische Hinweise zur Stützung der These, dass Menschen kein Vertrauensverhältnis zu Homunculi aufbauen werden, bestimmt nicht in den eigenen vier Wänden. Der heute vorherrschende Designstil bei Servbots (3) erinnert immer noch an die Kostüme der imperialen Truppen aus Star Wars, das ist schon Jahrzehnte her, und manchmal auch an Kabuki Theater. Der Kapuzen-Ansatz wie hier beim Violin Player ist völlig falsch, Vermummung und Anonymisierung wirken keineswegs vertrauensbildend, erinnern eher an Totengräber, Ninjas oder Gangsta Rapper. Sofern es sich erkennbar nicht um Roboter, sondern um Maschinen handelt, wie bei dem schönen Ice Eater mit dem poetischen Namen ‚Yuki Wasserbrotwurzel’, kann Design mit simpler Vermenschlichung noch gute Ergebnisse erzielen. Aber man kann die Anthropomorphisierung eben nicht auf die menschliche Silhouette selbst anwenden. Das Haustier hingegen ist ein bewährter Gefährte des Menschen in allen Alltagssituationen, hat seine Kompatibilität mit dem häuslichen und sozialen Leben millionenfach unter Beweis gestellt. Es lässt sich wunderbar vermenschlichen und gleichzeitig dressieren. Das ist die Form, die wir brauchen. Der Affe, der sich in Natura leider der Domestikation entzieht, obwohl er eigentlich der ideale Partner des Menschen sein könnte, kommt nun in Gestalt des Servbots zu den Menschen und integriert sich in sein Leben, klein, weich und nicht nackt. Danke Clear. Du bist das Briefing.
(1) zit. nach: The Hyena & other Men. Von Pieter Hugo (Fotos) und Adetokunbo Abiola. München 2007.
(2) siehe zum Thema Anthropomorphisierung auch meinen blogbeitrag ‚Alien Design, Vagheit und strategische Tricks’ (in blogroll)
(3) siehe die Entwürfe von Honda, Mitsubishi, Sony wie hier der Violin Player






Ein nachgebauter Affe wäre jedoch auch wieder Mimiky. Tatsächlich helfen schon Affen schwer behinderten Menschen. Es sind kleine Affen, denn grosse wären viel zu gefährlich. Jede Zirkusfamilie weiss, dass es nichts gefährlicheres gibt als die Affendressur. Tiger und andere Raubtiere schlagen nach dem Stock des Dressierers, weil sie keinen Unterschied sehen. Affen würden sich den Stock einfach nehmen und dann damit den Dressierer schlagen. Affen sind also ganz schlecht, schliesslich wird am hundertesten Geburtstag von Charlten Heston die ganze Planet der Affen Reihe im Fernsehen wiederholt. Wir brauchen also ein Tier, dass es garnicht gibt. Es muss Vertrauen und Sympathie hervorrufen, aber auch eine natürliche Stärke ausstrahlen, denn es muss in der Lage sein alte Menschen oder Behinderte aus ihrem Bett zu heben, ohne dass ihre Probanden durch diese Fähigkeit überrascht ja schockiert wären. Es gibt so ein Tier - es ist der Teddybär.
aber wenn der Affe ein Roboter ist, dann wird er nicht beißen wollen und können, eine Frage der Programmierung. Wo bleibt ULIF mit seinem Kommentar? Der schreibt immer so intelligente Anmerkungen ...
Das Briefing ist Clear,die dazugehörige Produktfamilie orientiert sich an den Bedürfnissen seiner Klientel und den aktuellen Trends des Zeitgeistes: Dame Clear in blond oder brünett, kräftiges Make Up, geöffneter Mund und anmodellierte Wimpern, weibliche Formen. Sie spreizt ihre Beine beim Hinsetzen nicht, sondern hält sie damenhaft parallel. Superstar Clear kann prima singen und heult wie ein Schloßhund, wenn es mal nicht klappt. Model Clear ist den Matrosenanzug leid und braucht dringend was Neues zum Anziehen. Natürlich gibt es für die Freaks unter uns auswechselbare Perücken und färbbare Haare. “The servebot sells the fashion and the fashion sells the servebot.” Ethnoclear kommt in einer hispanischen und afroamerikanischen Version. Asiatisch anmutende Clears sind eher selten, da bekanntermaßen glattflächige Roboter bevorzugt werden. Das Sondermodell Iraclear sitzt mit zerschossenem Körper im Rollstuhl und hilft den verlorenen Krieg zu verarbeiten. Ultimativ wird aber die muslimische Variante: Mudschaclear mit integriertem Mekkafinder und Sprachmodul für alle Suren des Korans, auf Wunsch mit verstecktem Sprengstoffgürtel in der Combat-Ausstattung. Wirkt auch irgendwie knuffig und gemütlich, ist aber verdammt gefährlich.
Der Service-Roboter der Zukunft ist viel mehr als nur eine reine Dienstleistungseinheit.
Er gibt Fantasien in jeglicher Richtung eine äußere Erscheinung. Mit ihm lassen sich neben den alltäglichen, ungeliebten Verrichtungen auch jegliche Formen phsychischer Abnormitäten bearbeiten. Vorbei die Zeiten, in denen man in unzähligen Sitzungen beim Therapeuten seinen "Problemen" auf die Spur zu kommen versuchte.
Alles darf jetzt am Servicemodul ausgelebt, abgearbeitet und letztlich verarbeitet werden. Enttäuschung, Ablehnung, Gewaltfantasien aber auch unerfüllte Begehrlichkeiten, "Sex and Crime". War es früher die aufblasbare Puppe so erfüllt in Zukunft der Servbot alles was das Herz begehrt.
Er wird zielorientiert gestylt und schlüpft so in die gewünschte Rolle. Der Servbot wird geliebt, verwöhnt, erniedrigt, geschubst, beleidigt. Und alles völlig legal, bequem in den eigenen vier Wänden. Keine Zeugen, keine Spuren, denn anschließend macht der Roboter ja auch noch sauber!
Wieviel friedlicher wäre unsere Welt........
aber wenn der Affe ein Roboter ist, dann wird er nicht beißen wollen und können, eine Frage der Programmierung. Wo bleibt ULIF mit seinem Kommentar? Der schreibt immer so intelligente Anmerkungen ...
Ein nachgebauter Affe wäre jedoch auch wieder Mimiky. Tatsächlich helfen schon Affen schwer behinderten Menschen. Es sind kleine Affen, denn grosse wären viel zu gefährlich. Jede Zirkusfamilie weiss, dass es nichts gefährlicheres gibt als die Affendressur. Tiger und andere Raubtiere schlagen nach dem Stock des Dressierers, weil sie keinen Unterschied sehen. Affen würden sich den Stock einfach nehmen und dann damit den Dressierer schlagen. Affen sind also ganz schlecht, schliesslich wird am hundertesten Geburtstag von Charlten Heston die ganze Planet der Affen Reihe im Fernsehen wiederholt. Wir brauchen also ein Tier, dass es garnicht gibt. Es muss Vertrauen und Sympathie hervorrufen, aber auch eine natürliche Stärke ausstrahlen, denn es muss in der Lage sein alte Menschen oder Behinderte aus ihrem Bett zu heben, ohne dass ihre Probanden durch diese Fähigkeit überrascht ja schockiert wären. Es gibt so ein Tier - es ist der Teddybär.
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Der Service-Roboter der Zukunft ist viel mehr als nur eine reine Dienstleistungseinheit.
Er gibt Fantasien in jeglicher Richtung eine äußere Erscheinung. Mit ihm lassen sich neben den alltäglichen, ungeliebten Verrichtungen auch jegliche Formen phsychischer Abnormitäten bearbeiten. Vorbei die Zeiten, in denen man in unzähligen Sitzungen beim Therapeuten seinen "Problemen" auf die Spur zu kommen versuchte.
Alles darf jetzt am Servicemodul ausgelebt, abgearbeitet und letztlich verarbeitet werden. Enttäuschung, Ablehnung, Gewaltfantasien aber auch unerfüllte Begehrlichkeiten, "Sex and Crime". War es früher die aufblasbare Puppe so erfüllt in Zukunft der Servbot alles was das Herz begehrt.
Er wird zielorientiert gestylt und schlüpft so in die gewünschte Rolle. Der Servbot wird geliebt, verwöhnt, erniedrigt, geschubst, beleidigt. Und alles völlig legal, bequem in den eigenen vier Wänden. Keine Zeugen, keine Spuren, denn anschließend macht der Roboter ja auch noch sauber!
Wieviel friedlicher wäre unsere Welt........
Das Briefing ist Clear,die dazugehörige Produktfamilie orientiert sich an den Bedürfnissen seiner Klientel und den aktuellen Trends des Zeitgeistes: Dame Clear in blond oder brünett, kräftiges Make Up, geöffneter Mund und anmodellierte Wimpern, weibliche Formen. Sie spreizt ihre Beine beim Hinsetzen nicht, sondern hält sie damenhaft parallel. Superstar Clear kann prima singen und heult wie ein Schloßhund, wenn es mal nicht klappt. Model Clear ist den Matrosenanzug leid und braucht dringend was Neues zum Anziehen. Natürlich gibt es für die Freaks unter uns auswechselbare Perücken und färbbare Haare. “The servebot sells the fashion and the fashion sells the servebot.” Ethnoclear kommt in einer hispanischen und afroamerikanischen Version. Asiatisch anmutende Clears sind eher selten, da bekanntermaßen glattflächige Roboter bevorzugt werden. Das Sondermodell Iraclear sitzt mit zerschossenem Körper im Rollstuhl und hilft den verlorenen Krieg zu verarbeiten. Ultimativ wird aber die muslimische Variante: Mudschaclear mit integriertem Mekkafinder und Sprachmodul für alle Suren des Korans, auf Wunsch mit verstecktem Sprengstoffgürtel in der Combat-Ausstattung. Wirkt auch irgendwie knuffig und gemütlich, ist aber verdammt gefährlich.