Kleine Affen in Menschenkleidern sind rührend. So niedlich der Kleine, und wie lässig er da sitzt! Scheint sogar das gleiche Mode Label zu tragen wie sein Kumpel. Ich möchte dieses wunderbare Foto von Dayaba Usman und seinem Pavian mit dem Namen Clear aus Nigeria (1) gerne einbringen in die schwelende Diskussion um die künftige Gestaltung von Robotern für haushaltsnahe Dienstleistungen und Pflegedienste, sogenannten Servbots. Der nette Pavian Clear verfügt über gleich drei unerlässliche Design Eigenschaften gegenüber den herrschenden Entwürfen, er ist nämlich klein, weich und nicht nackt.

Klein ist gut, weil Menschen keine Angst vor Servbots haben dürfen. Die körperliche Dominanz sollte auf unserer Seite sein, auch 80jährige müssen sich gegen einen ausgerasteten Bügelroboter zur Wehr setzen können. Weich ist gut, weil es Nähe ermöglicht und das Gefühl nährt, der Roboter könne sich in unsere Welt einschmiegen und assimilieren. Das nicht Nackte schließlich ist Voraussetzung für eine geglückte Anthropomorphisierung der Servbots (2), damit Garant für ein friedliches Miteinander und eine geglückte Domestikation. Die antiseptischen Entwürfe der zumeist japanischen Designer hingegen bieten uns nur glatte und kalte Flächen, an denen der menschliche Urtrieb, in fremde Wesen Menschliches hineinzulesen, einfach nur abgleitet. Wenn wir es lieben sollen, dann müssen wir es uns auch anverwandeln können, das sollte ja eigentlich auch in Japan bekannt sein. Die Ingenieure sind wahrscheinlich dagegen, aber ich glaube, auf Dauer wird sich Fell durchsetzen, das hat sich ja auch bei unseren Haustieren bewährt.

Und der Affe als role model für den Service Roboter ist natürlich schon in sich eine killer application. Er ist das menschenähnlichste Tier überhaupt, wenn man ihn anschaut, schauen Philogenese und Ontogenese zurück. Der Affe ist das perfekte Design Vorbild für einen Servbot, nicht etwa der Mensch selbst. Ich vermute, dass die Designer sich derzeit noch vom strategischen Kurzschluss leiten lassen, dass der optimale Service Roboter menschliche Proportionen haben sollte. In der bloßen Nachahmung einer schon stilisierten menschlichen Form können jedoch nur Wesen entstehen, die wie Attrappen wirken. Nachahmung und Imitation gehören strategisch in den Bereich der Desinformation. Mimese und Mimikry sind in der Natur Strategien der List und der Täuschung. Plato hat die Mimesis als Scheinwelt verurteilt. Das sind nur ein paar anthropologische Hinweise zur Stützung der These, dass Menschen kein Vertrauensverhältnis zu Homunculi aufbauen werden, bestimmt nicht in den eigenen vier Wänden. Der heute vorherrschende Designstil bei Servbots (3) erinnert immer noch an die Kostüme der imperialen Truppen aus Star Wars, das ist schon Jahrzehnte her, und manchmal auch an Kabuki Theater. Der Kapuzen-Ansatz wie hier beim Violin Player ist völlig falsch, Vermummung und Anonymisierung wirken keineswegs vertrauensbildend, erinnern eher an Totengräber, Ninjas oder Gangsta Rapper. Sofern es sich erkennbar nicht um Roboter, sondern um Maschinen handelt, wie bei dem schönen Ice Eater mit dem poetischen Namen ‚Yuki Wasserbrotwurzel’, kann Design mit simpler Vermenschlichung noch gute Ergebnisse erzielen. Aber man kann die Anthropomorphisierung eben nicht auf die menschliche Silhouette selbst anwenden. Das Haustier hingegen ist ein bewährter Gefährte des Menschen in allen Alltagssituationen, hat seine Kompatibilität mit dem häuslichen und sozialen Leben millionenfach unter Beweis gestellt. Es lässt sich wunderbar vermenschlichen und gleichzeitig dressieren. Das ist die Form, die wir brauchen. Der Affe, der sich in Natura leider der Domestikation entzieht, obwohl er eigentlich der ideale Partner des Menschen sein könnte, kommt nun in Gestalt des Servbots zu den Menschen und integriert sich in sein Leben, klein, weich und nicht nackt. Danke Clear. Du bist das Briefing.

(1)   zit. nach: The Hyena & other Men. Von Pieter Hugo (Fotos) und Adetokunbo Abiola. München 2007.

(2)  siehe zum Thema Anthropomorphisierung auch meinen blogbeitrag ‚Alien Design, Vagheit und strategische Tricks’ (in blogroll)

(3)  siehe die Entwürfe von Honda, Mitsubishi, Sony wie hier der Violin Player